Cihan Çakmak: The opposite is connection.

Die Auseinandersetzung mit transgenerationellen Traumata und Identität hat in der Kunst eine immense Bedeutung. Kunst bietet eine Methode, um unbewusste und oft unausgesprochene Verflechtungen, die über Generationen hinweg weitergegeben werden, sichtbar zu machen und zu verarbeiten. Eine Künstlerin, die sich intensiv mit diesen Themen auseinandersetzt, ist Cihan Çakmak. In ihrer Arbeit verbindet sie Fotografie, Video und Sounds, um sowohl persönliche als auch kollektive Geschichten zu erzählen – Geschichten, die sich um Identität, Sehnsucht und **Trauma** drehen.
Mit ihrer Publikation „ez fraktal“ gewährt Cihan Einblicke in ihre kurdische Herkunft und erforscht das, was uns trennt und verbindet. Der Titel, der aus dem kurdischen Wort für „ich“ und dem Begriff ”Fraktal” zusammengesetzt ist, verweist auf das Konzept der Selbstähnlichkeit: Individuelle Erfahrungen lassen sich als Teil eines kollektiven Erlebnisses betrachten. In ihren Selbstporträts reflektiert Cihan sowohl Unterschiede als auch Gemeinsamkeiten – und entzieht sich dabei den stereotypischen Darstellungen, indem sie eine vielschichtige, ruhige, aber zugleich kraftvolle Bildsprache schafft.


Ein zentrales Element ihrer Arbeit sind Selbstporträts. Diese gehen über das reine Abbild des äußeren Erscheinungsbilds hinaus und erforschen tiefere Schichten des Selbst, die durch das Erleben und Verarbeiten von transgenerationellen Traumata geprägt sind. Cihans Selbstporträts stellen eine intime Auseinandersetzung mit der eigenen Identität und Geschichte dar. Sie reflektiert ihre Beziehung zur Vergangenheit und zu den vererbten Geschichten und Traumata, die in ihr verwoben sind. Diese Praxis erlaubt es, Identität als einen dynamischen, vielschichtigen Prozess zu erforschen, der sich in der Spannung zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft entfaltet.




In ihrer Arbeit „when we leave“ (2018 – ongoing) und dem fortlaufenden Projekt „Deciding to live against oppression; as the person you want to develop“ (2024 – ongoing) untersucht sie, wie die Entscheidung, sich gegen Unterdrückung zu stellen, Identität und zwischenmenschliche Beziehungen prägt. Hier wird deutlich, dass die Reflexion über das eigene Trauma nicht nur individuell, sondern auch kollektiv ist. Ihre Arbeiten helfen, Traumata zu benennen, zu verstehen und zu bewältigen, indem sie einen Raum für Reflexion und Dialog eröffnen.


Cihan stellt zentrale Fragen an den Betrachtenden: “Was sehen wir? Was sehen wir nicht?”, “Was trennt uns, was verbindet uns?” Durch die Ambivalenz in ihren Werken fordert sie uns auf, unsere eigenen Wahrnehmungen und Vorurteile zu hinterfragen und neue Perspektiven zu entwickeln.
In ihrem künstlerischen Ansatz verbindet sie ihr autobiografisches Narrativ mit den Geschichten ihrer Rezipient*innen. Ihre Arbeiten schaffen nicht nur einen Raum für die Zerbrechlichkeit von Herkunft, sondern auch des kollektiven Verständnisses und des Dialogs zu den Themen Selbstbestimmung, Trauma und Sehnsucht. Diese Form der künstlerischen Praxis erlaubt es, Identität als dynamischen und vielschichtigen Prozess zu erforschen, der sich in der Spannung zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft entfaltet.

Lust Cihan persönlich kennen zu lernen und euch mit ihr auszutauschen?
Komm zu unserem Talk am Dienstag den 18.3.2025 um 19 Uhr